Stickstoffdüngung bei Erbsen: BNF, Null-N-Bedarfswert und Fruchtfolgevorteile
Körnererbsen (Pisum sativum) sind ein wichtiges Eiweißgetreide in deutschen Fruchtfolgen, geschätzt sowohl für den eigenen Kornertrag als auch für die Stickstoff- und Fruchtfolgevorteile für nachfolgende Getreide. Wie alle Körnerleguminosen verfolgen Erbsen eine fundamentale N-Strategie, die sich von Marktfrüchten unterscheidet: DüV 2020 Anlage 4 weist Körnererbsen einen Bedarfswert von null kg N/ha zu.
Biologische Stickstoffixierung
Erbsen gehen eine effektive Symbiose mit nativ in deutschen Böden vorhandenen Rhizobium leguminosarum-Stämmen ein. Peoples et al. (2009, Field Crops Research) berichteten, dass unter europäischen Feldbedingungen 65–75 % des Erbsen-Stickstoffs aus atmosphärischer Fixierung stammt. Ein 4 t/ha-Erbsenbestand (mit ca. 130–160 kg N/ha in der oberirdischen Biomasse) bezieht 85–120 kg davon aus BNF.
Boden-N-Hemmwirkung
Jensen et al. (2012, Plant and Soil) zeigten, dass Nmin-Werte über 40 kg N/ha die Knöllchenbildung bei Erbsen signifikant hemmen. Dies ist die wichtigste agronomische Einschränkung: Felder mit hohem Residual-Boden-N (nach schwerer N-Düngung der Vorfrucht, Herbstgülle oder hoher Mineralisierung) unterstützen schlechte BNF und nährstoffunterversorgte Bestände.
Starter-N: Begrenzter Anwendungsfall
Eine minimale Startergabe (0–20 kg N/ha) wird gelegentlich auf Böden eingesetzt, wo Nmin sehr gering ist und frühes Keimlingswachstum vor Knöllchenbildung gefährdet ist (3–4 Wochen nach Keimung). Angesichts der Hemmwirkung nach Jensen et al. sollte Starter-N nur appliziert werden, wenn Nmin tatsächlich unter 20 kg N/ha liegt.
Folgefrucht-N-Gutschrift
Körnererbsen hinterlassen 20–40 kg N/ha Residual-Gutschrift für die nachfolgende Winterfrucht.
Fazit
Körnererbsen benötigen keinen Mineralstickstoff, wenn auf Böden mit guter Rhizobium-Aktivität angebaut. Priorität ist die Sicherstellung hoher BNF, indem Hochnmin-Felder und N-unterdrückende Mineralstickstoffgaben vermieden werden.
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