Stickstoffdüngung auf Dauergrünland: Mehrschnittsysteme und DüV-Grenzen
Dauergrünland bedeckt über 4,8 Millionen Hektar in Deutschland – mehr als jede andere einzelne Landnutzungskategorie. Grünland-N-Management ist tief mit Viehbetrieben, Schnitthäufigkeiten und Umweltkonformität verknüpft. Richtig durchgeführt bedeutet das: Mehrschnittkurve verstehen, organische N-Gutschriften aus Gülle berücksichtigen und DüV-Grenzen einhalten.
Stickstoffbedarf
Deutschlands durchschnittlicher Dauergrünlandertrag liegt bei etwa 41 t Frischmasse pro Hektar bei ~22 % TS (Whitehead 1995; Hofer & Lüscher 2019), entsprechend ca. 9 t TM/ha. Amtliche DBE-Bedarfswerte für Dauergrünland hängen stark von der Nutzungsintensität (Schnittanzahl/Jahr und Ertragsklasse) ab. Orientierungswerte reichen von ca. 80–100 kg N/ha bei einschnittigen extensiven Systemen bis zu 160–200+ kg N/ha bei 4+-Schnitt-Intensivwirtschaft. Ein einziger Pauschalwert kann nicht alle Grünlandsituationen abbilden; stets Nutzungsintensitätsklasse bestimmen und mit dem gültigen Landesformular prüfen. Die hier genannten Zahlen sind agronomische Orientierungswerte.
N-Verteilung auf Schnitte
Grünland-N wird in Jahresteilgaben je Schnitt appliziert:
- 1. Schnitt (Februar–März): 50–70 kg N/ha – initiiert Frühjahrsaufwuchs
- Nach 1. Schnitt (Mai): 50–60 kg N/ha
- Nach 2. Schnitt (Juni–Juli): 40–50 kg N/ha
- Nach 3. Schnitt (August): 30–40 kg N/ha – nur wenn weiterer Schnitt geplant
Drei bis vier Schnitte pro Saison sind typisch für intensiv bewirtschaftetes Dauergrünland. Jeder Schnitt entzieht ca. 25–35 kg N/ha, die durch Düngung ersetzt werden müssen. DüV verbietet N-Applikationen nach dem 1. Oktober für Grünland.
Organischer N im Grünlandbetrieb
Die meisten Grünlandbetriebe bringen zwischen den Schnitten Gülle aus. Organischer N ist entsprechend der DüV-Grenze von 170 kg N/ha anzurechnen und von der Mineralstickstoffmenge abzuziehen. Nach jedem Schnitt ist die ideale Zeitspanne für Gülleausbringung.
Botanische Zusammensetzung
Hoher Kleeanteil in Narben reduziert den mineralischen N-Bedarf durch biologische N-Fixierung erheblich. Für Kleegrasmischung-Bestände: Kleegras N-Management. Auf reinen Raigrasbeständen (mineralisches Grünland) ist der volle 180 kg-Bedarfswert relevant.
Fazit
Dauergrünland belohnt systematisches Schnitt-für-Schnitt N-Management. Kombination aus organischem und mineralischem N, realistischen Ertragszielen je Schnitt und DüV-Konformität erfordert durchdachte Planung.
N-Anteile je Grünlandschnitt berechnen: Zum NRate-Rechner