Stickstoffdüngung bei Silomais: N-Mengen, organische Eingaben und Viehbetrieb
Silomais wird auf über zwei Millionen Hektar in Deutschland angebaut – er ist nach Anbaufläche die größte deutsche Ackerfrucht, angetrieben durch den Bedarf in Milchvieh- und Biogasbetrieben. Das Stickstoffmanagement ist eng mit der Ausbringung von Wirtschaftsdüngern und Gärresten verknüpft, was Silomais zu einer der umstrittensten DüV-Kulturen und am häufigsten betriebenen Überschreitungsursache macht.
Stickstoffbedarf und N-Abfuhr
Deutschlands durchschnittlicher Silomaiserertrag liegt bei rund 46 t Frischmasse pro Hektar bei ~32 % TS (Herrmann & Taube 2004, 2005). Bei vollständiger Abfuhr der gesamten Pflanzenmasse entzieht Silomais rund 4,0 kg N pro Tonne FM (PDA Merkblatt 17), d. h. ein 46-t/ha-Bestand entzieht ~184 kg N/ha. Beratungsquellen referenzieren häufig rund 180 kg N/ha beim Referenzertrag; aktuelle amtliche DBE-Bedarfswerte liegen in mehreren Bundesländern höher – stets mit dem gültigen Landesformular prüfen. Die hier genannten Zahlen sind agronomische Orientierungswerte.
Organischer N: Die zentrale Planungsgröße
Silomaisbetriebe bringen fast immer Rindergülle oder Biogasgärreste aus. Unter DüV 2020:
- Die Obergrenzen von 170 kg Gesamt-N aus organischen Düngern/ha (Betriebsdurchschnitt) gilt
- Gülle-Ammonium-N-Verfügbarkeit für Mais: typischerweise 60–70 %
- Gärrest (Flüssigfraktion): typischerweise 70–80 % Verfügbarkeit
Beispiel: 40 m³ Rindergülle/ha mit 3 kg N/m³ Gesamt-N = 120 kg N/ha. Bei 65 % Verfügbarkeit = 78 kg effektiv. Bedarf 180 kg/ha, Nmin 30 kg, organisch verfügbar 78 kg → 72 kg/ha mineralischer Ergänzungsbedarf.
Applikationsstrategie
- Organisch (Gülle/Gärrest): vor oder zur Einarbeitung, Frühjahr vor Saat
- Starterdünger mineral (Saat/BBCH 12–16): 60–100 kg N/ha Depot oder Banddüngung
- Optionale Nachdüngung (BBCH 16–30): nur wenn organischer N unzureichend war
DüV-Konformität im Fokus
Silomais ist die in Nährstoffbilanzen am meisten geprüfte Kultur. Betriebe mit intensiver Viehhaltung müssen die betriebliche organische N-Bilanz über alle Flächen sorgfältig dokumentieren. Die Überschreitung der 170 kg org-N/ha-Grenze ist ein DüV-Verstoß.
Fazit
Für Silomais ist die N-Kalkulation primär eine organisch-plus-mineralische Budget-Übung. Genaue Dokumentation aller organischen Eingaben ist sowohl gesetzliche Pflicht als auch Voraussetzung für eine wirtschaftliche N-Optimierung.
Silomais N-Menge inklusive organischer Eingaben berechnen: Zum NRate-Rechner